Gerade erschienen: Perspektiven auf sexualisierte Gewalt

Helfferich, Cornelia; Kavemann, Barbara; Kindler, Heinz; Nagel Bianca (2020): Regeln für das sexuelle Verhalten in der stationären Jugendhilfe – Schutz von jugendlichen  Mädchen vor erneuter sexueller Gewalt. In: Wazlawik, Martin; Christmann, Bernd; Böhme, Maika; Arne Dekker (Hg.): Perspektiven auf sexualisierte Gewalt. Einsichten aus Forschung und Praxis. Wiesbaden: Springer VS (Sexuelle Gewalt und Pädagogik, Band 5), S. 223-240, ISBN 978-3-658-23235-1

 

Der Beitrag stellt Forschungsergebnisse zum sexuellen Verhalten und Schutzbedarf von jugendlichen Mädchen in der stationären Jugendhilfe vor, arbeitet die Herausforderungen für die Praxis heraus und diskutiert daran anschließend speziell den Schutz durch verbindliche Einrichtungsregeln. Im Mittelpunkt steht die Heterogenität der Zielgruppe und damit die Frage nach Differenzierungen und einem individuellen Zuschnitt von Schutzmaßnahmen.

Beim Forschungsprojekt „Prävention von Re-Viktimisierung bei sexuell missbrauchten Jugendlichen in Fremdunterbringung“ („PRÄVIK“) stand der Nachweis im Fokus, dass an die sexualpädagogische Arbeit mit Mädchen mit Missbrauchserfahrung besondere Anforderungen zu stellen sind: Wenn das Risiko erneuter Gewalterfahrung gemindert werden soll, müssen die Angebote den Zusammenhang zwischen „problematischem“ sexuellen Verhalten bzw. Partnerschaftsproblemen und der Verarbeitung des Missbrauchs aufgreifen. Dabei ist davon auszugehen, wie die Studie auch zeigt, dass es große Unterschiede unter den Mädchen mit Missbrauchserfahrungen gibt und das Spektrum an Verarbeitungsverläufen von hochbelastet bis unproblematisch reicht.

Nach einer Einführung zu institutionellen Schutzkonzepten gegen sexuellen Missbrauch werden die subjektiven Konzepte von Sexualität dargestellt, wie sie aus den PRÄVIK-Interviews herausgearbeitet werden konnten. Daraus werden drei unterschiedliche Typen von Herausforderungen der Praxis abstrahiert. Diskutiert wird jeweils, welche Bedeutung den Regeln des sexuellen Verhaltens (z.B. der Handhabung der Regeln) in der Einrichtung und der pädagogischen Kommunikation zukommt. Der Beitrag endet mit einer abschließenden Diskussion.