Evaluation der Tandemfortbildungen für Fachkräfte der Erziehungsberatungsstellen und der Allgemeinen Sozialen Dienste der Jugendämter (bzw. der Bezirkssozialarbeit) in Bayern im Themenfeld „Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“.

Im Auftrag des DGfPI e.V., gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales

Im Februar 2021 legte das Sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen (SoFFI F.) den Abschlussbericht zur Evaluation der Tandem-Fortbildung in Bayern vor und bedankte sich bei allen, die das Forschungsprojekt unterstützt haben, bei den Fortbildenden, die sehr effektiv kooperiert haben, bei den Teilnehmenden, die geduldig die Fragebögen ausgefüllt haben, und beim DGfPI e.V. für die gute Zusammenarbeit.

Die Entwicklung und Erprobung der evaluierten Fortbildung, die einen in der Fortbildungslandschaft neuen Akzent setzt und über die sonst übliche Vermittlung von Grundlagenwissen weit hinausgeht, war motiviert durch die Analyse, dass der Umgang mit (Verdachts-)Fällen sexuellen Missbrauchs verbessert werden muss.  Die Fortbildung setzt speziell an zwei Punkten an, die eine solche Verbesserung versprechen: Sie hat als Ziel zum einen den Gewinn an Handlungskompetenzen von bereits erfahrenen Fachkräften in Erziehungsberatung und im ASD bzw. der Bezirkssozialarbeit, die in  ihrem beruflichen Alltag mit (Verdachts-)Fällen sexuellen Missbrauchs konfrontiert sind, zum anderen eine Verbesserung der interinstitutionellen Kooperation der an Fällen beteiligten Akteure und insbesondere der Erziehungsberatung und des ASD bzw. der Bezirkssozialarbeit. Beide Aspekte gelten als förderlich für ein professionelles Aufgreifen und Bearbeiten von Verdachtsfällen und bestätigten Fällen von sexuellem Missbrauch im Aufgabenbereich der Fachkräfte.

Die Fortbildung wurde ganz neu für den spezifischen Zweck vom DGfPI e.V. konzipiert. Rückmeldeschleifen und Austausch der durchführenden Fortbildenden und dem DGfPI e.V. ermöglichten einen kontinuierlichen Lernprozess, in dessen Verlauf das Konzept und die praktische Durchführung laufend weiterentwickelt wurde.


Zeitlicher Umfang und Aufbau

  • Zweimal drei Fortbildungstage, gegliedert in Modul 1 und Modul 2, plus eine dazwischen gelagerte Praxisaufgabe


Anzahl der Durchgänge, Gruppengröße

  • Es waren 18 Durchgänge geplant. Im Zeitraum von Dezember 2018 bis Oktober 2020 wurden 13 Durchgänge komplett durchgeführt. Bei zwei Durchgängen konnte nur Modul 1 stattfinden und drei Durchgänge mussten aufgrund pandemiebedingter Verordnungen abgesagt werden.
  • Die einzelnen Durchgänge waren auf eine Gruppengröße von 20 Teilnehmenden ausgelegt. In allen Durchgängen betrug die minimale Teilnehmendenzahl 11 Personen und die maximale 20 Personen.
  • 246 Personen besuchten Modul 1, 209 Personen Modul 2. Damit wurden in allen komplett durchgeführten Durchgängen insgesamt 209 Personen fortgebildet. 30 Personen konnten nur das erste Modul wahrnehmen, da in ihrem Durchgang das zweite Modul abgesagt werden musste.

Zielgruppe und Teilnahmevoraussetzungen

  • Fachkräfte aus Erziehungsberatungsstellen (EB) und aus dem Allgemeinen Sozialen Dienst der Jugendämter bzw. aus der Bezirkssozialarbeit der Sozialbürgerhäuser (ASD/BSA), die bereits über grundlegendes Fachwissen und über Handlungskompetenzen im Themenbereich sexualisierter Gewalt und Grenzverletzungen verfügen. Anmelden konnten sich nur „Tandems“, d.h. Zweiergruppen, bestehend aus je einem Mitarbeiter/einer Mitarbeiterin aus dem ASD bzw. der BSA und einem Mitarbeiter/einer Mitarbeiterin aus einer EB aus demselben örtlichen Zuständigkeitsbereich1.

Fortbildende

  • Die Zweier-Teams der Fortbildenden bestanden aus zwei erfahrenen Fachkräften, die in Fachberatungsstellenarbeiten

 

Veröffentlichungen:


Interessierte können weitere Informationen erhalten bei:

Sylvia Fein
Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung, -vernachlässigung und sexualisierter Gewalt e.V.  (DGfPI e.V.)
Elisabethstraße 14
40217 Düsseldorf
fein[at)dgfpi.de

 

1 „Die Fortbildungen richten sich an Fachkräfte aus Erziehungsberatungsstellen und des Allgemeinen Sozialen Dienstes der Jugendämter bzw. aus der Bezirkssozialarbeit der Sozialbürgerhäuser in Bayern, die bereits über grundlegendes Fachwissen und über Handlungskompetenzen im Themenbereich sexualisierter Gewalt und Grenzverletzungen verfügen. Die Fortbildungen werden als Tandem-Fortbildungen durchgeführt. Dies bedeutet, dass aus demselben örtlichen Zuständigkeitsbereich jeweils eine Fachkraft aus einer Erziehungsberatungsstelle und eine Fachkraft des Allgemeinen Sozialen Dienstes des Jugendamtes (der Bezirkssozialarbeit in den Sozialbürgerhäusern entsprechend) gemeinsam teilnehmen“ (Antrag des DGfPI e.V., Februar 2018, S. 4).

2 Ein Fortbildungsteam bestand aus je einer Fachkraft aus einer Fachberatungsstelle und einer Fachkraft aus dem Allgemeinen Sozialen Dienst.