Auswertungsprojekt Briefe a. d. Amtszeit d. ersten Unabhängigen Beauftragten sexueller Kindesmissbrauch der Bundesregierung, Frau Bundesministerin a.D. Dr. Christine Bergmann

Gefördert von: Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs


Kooperationsverbund:
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm (KJP Ulm)
Sozialwissenschaftliches Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen | FIVE Freiburg (SoFFI F.)

Teams:
KJP Ulm: Prof. Dr. Jörg M. Fegert (Projektleitung), Jun.-Prof. Dr. Miriam Rassenhofer (Projektkoordination), Dr. Ulrike Hoffmann (Projektkoordination), Jelena Gerke (wissenschaftliche Mitarbeiterin), Kathrin Lipke (wissenschaftliche Mitarbeiterin)
SoFFI F.: Prof. Dr. Cornelia Helfferich (Projektleitung), Prof. Dr. Barbara Kavemann (Projektleitung), Adrian Etzel (wissenschaftlicher Mitarbeiter)

Projektlaufzeit: 15.04.2019 – 14.04.2021

Projektbeschreibung

Vorgeschichte:
Aus der Amtszeit von Frau Dr. Bergmann liegen über 900 schriftliche Dokumente (ca. 450 Postzusendungen, 490 E-Mail-Zuschriften) vor, welche im Rahmen der damaligen Begleitforschung, die sich hauptsächlich auf die telefonische Anlaufstelle konzentrierte, nur kursorisch ausgewertet wurden. (Bergmann 2011; Fegert et al. 2012, 2013 und 2015).

Machbarkeitsstudie:
In einer Machbarkeitsstudie (10/2017 – 01/2019) wurden die rechtlichen, ethischen und technischen Voraussetzungen sowie die methodische Machbarkeit für die Hauptstudie geprüft. Es wurden ein Procedere entwickelt, um die Dokumente der Auswertung zugänglich zu machen sowie ein Datenschutzkonzept erstellt. Für die Überprüfung der Auswertbarkeit der Schreiben wurden gegenstandsangemessen an einer begrenzten Anzahl von Dokumenten qualitative Auswertungsstrategien (inhaltsanalytische Kategorienbildung und hermeneutisch-rekonstruktive Auswertung) entwickelt und erprobt.

Hauptstudie:
Für die Hauptstudie liegt von rund 230 Dokumenten eine Einwilligung zur Auswertung vor.
Arbeitspakete der Hauptstudie sind:

  • Die Erstellung einer Datenbank, die Teil des Datenschutzkonzeptes ist und einen geschützten Umgang mit den Briefen gewährleistet.
  • Eine quantitative Auswertung der Briefe, die eine deskriptive Beschreibung des Datensatzes sowie eine Quantifizierung der aus der qualitativen Auswertung entstehenden Kategorien und anschließende statistische Prüfung von Zusammenhängen umfasst.
  • Eine qualitative Auswertung der Briefe, die zum einen eine inhaltsanalytisch-kategorienbildende und zum anderen eine hermeneutisch-rekonstruktive Auswertung umfasst. Erste Fragestellungen wurden bereits in der Machbarkeitsstudie und partizipativ mit Betroffenen entwickelt und werden in der Hauptstudie weiterentwickelt.

Forschungsfragen:
Da die Briefe im Rahmen der Öffentlichkeitskampagne „Sprechen hilft“ eingegangen sind, ist eine spezielle Fragestellung des Projekts die nach der Bedeutung einer solchen Kampagne für die Offenlegung des eigenen Missbrauchserlebens seitens der Betroffenen. Weitere qualitativ auszuwertende Fragestellungen beziehen sich auf  Lebensverläufe der Schreibenden, Motivationen zu schreiben, Erfahrungen mit dem Hilfesystem sowie der Bedeutung des Missbrauchs, der Offenlegung und des Schreibens. Darüber hinaus werden statistische Zusammenhänge quantitativ ausgewertet.

Projektbeirat:
Das Forschungsprojekt wird von einem Beirat kritisch begleitet und unterstützt. Diesem gehören Expert*innen aus der Wissenschaft, Betroffene als Expert*innen aus Erfahrung, Vertreter*innen des Arbeitsstabs des UBSKM und eine Vertreterin der Unabhängigen Aufarbeitungskommission an.

Partizipation:
Für die Erarbeitung von Kategoriensystemen und weiteren Forschungsfragen im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurde eine Forschungsgruppe mit Betroffenen von sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend gegründet, die in der Hauptstudie in Form von gemeinsamen Auswertungsworkshops weitergeführt wird.

Kontakt:
Prof. Dr. Cornelia Helfferich: helfferich(at)eh-freiburg.de
Prof. Dr. Barbara Kavemann: barbara.kavemann(at)eh-freiburg.de