wohnungslose Frauen

Was brauchen wohnungslose Frauen? - Alltagsbewältigung, Raumerfahrung und Versorgungsangebote aus Sicht wohnungsloser Frauen

Forschungsförderung: Sozialministerium Baden-Württemberg (jetzt: Ministerium für Arbeit und Soziales), Förderprogramm Frauenforschung
Laufzeit: 04/1999 - 06/2000
Leitung: Prof. Dr. Cornelia Helfferich
Team: Angelika Hägele, Dipl. Soz.päd.; Anneliese Hendel-Kramer, M.A.; Alex Heneka. M.A
Typ der Forschung: Kombination Evaluation und Grundlagenforschung. Methodenkombination

 

Fragestellung

Ziel im Projektteil A war es, ein umfassendes Verständnis der Situation, der Beziehungsgestaltung und Alltagsbewältigung bei Frauen in Wohnungslosigkeit zu entwickeln, unter bislang in der Forschung nicht erhobenen frauenspezifischen Aspekten und mit einem Kompetenzansatz (Grundlagen). Erhoben wurde die subjektive Sicht wohnungsloser Frauen und ihre Strategien, sich den öffentlichen Raum anzueignen und den Alltag ohne Wohnung zu bewältigen. Durch die Untersuchung der subjektiven Wahrnehmung der Stadt (Methode: „subjektive Stadtpläne") wurde ein Bezug hergestellt zur stadtsoziologischen Forschung.

Der zweite Projektteil beinhaltete die wissenschaftliche Begleitung der Zentralen Fachberatungsstelle für wohnungslose Frauen verbunden, die im März 1999 in Trägerschaft des Diakonischen Werkes, Freiburg eröffnet wurde (Evaluation der Angebote, des Zugangs und der Nutzung). Damit wurde ein Beitrag geleistet zur Entwicklung bedarfsbezogener Angebote im lokalen Versorgungsnetz der Wohnungslosenhilfe (Anwendung).

Übergeordnete Ziele waren:

  • dazu beizutragen, die Perspektive einer marginalisierten Gruppe - wohnungsloser Frauen - in die Diskussion zur Entwicklung der Innenstädte einzubringen,
  • der Frauen- und Geschlechterforschung Impulse zu liefern, indem eine sonst nicht beachtete Gruppe einbezogen wird.

Forschungsdesign

Projektteil A: Alltagsbewältigung und Raumerfahrung: N = 8 Diskussionen in homogenen Gruppen mit gemeinsamer Stadtbegehung

Die Frauen wurden nicht auf soziale Problematiken festgeschrieben, sondern ihre Subjektivität als Handelnde und ihre Kompetenz, ihr Leben im sozialen und physischen Raum zu gestalten, standen im Mittelpunkt. Das Instrument der Gruppendiskussionen beugt einer Individualisierung von Problemlagen vor und es wird dem gerecht, dass Frauen in Wohnungsnot sehr unterschiedlich sind: unter ihnen gibt es z.B. ältere und jüngere Frauen, Drogenabhängige oder psychisch Kranke, Frauen auf der "Platte" oder im Bauwagen, Frauen mit und ohne Kinder. Um ihre "kollektive Repräsentation der Stadt" zu erfahren, wurden diese Gruppen bei einem ersten Tref-fen gebeten, ein "mind map" der Stadt (subjektive Stadtpläne) zu zeichnen. Bei einem zweiten Treffen wurden die relevanten Orte in der Stadt aufgesucht und kommentiert und in einer Nachbesprechung wurden eigene utopische Entwürfe von Stadtplanung entwickelt. Alle diese Schritte wurden auf Tonband aufgenommen, transkribiert und hermeneutisch ausgewertet.

Projektteil B: Wissenschaftliche Begleitung des Beratungsangebots

Für die Bewertung und Begleitung des Angebots und der betreuten Frauen wurden unterschiedliche Methoden eingesetzt, u.a.:

  • ein Kurzfragebogen für die Frauen, die die niedrigschwellige Fachberatung aufsuchten, zu ihrem Hintergrund und zur Bewertung der Arbeit (N = 250),
  • eine fallbezogene Verlaufsdokumentation der Arbeit und (N = 64),
  • eine Befragung der Mitglieder des Runden Tisches zur Effektivität der Vernetzung (N = 20),
  • Einzelinterviews mit ♀ zur Inanspruchnahme institutioneller Hilfen (N=4).

Publikationen

Abschlussbericht

Helfferich, Cornelia (2003): Gewalt: Arbeit mit traumatisierten Klientinnen. In: wohnungslos, Heft 1, 45. Jg., 5-10

Helfferich, Cornelia; Hägele, Angelika; Heneka, Alex (2000) Wohnen ohne „dritte Haut": Wohnungslose Frauen, ihre kognitiven Repräsentationen von Raum und ihre kollektiven Taktiken, Wohnen herzu-stellen. In: Zeitschrift für Frauenforschung und Geschlechterstudien, Heft 3/2000, 18. Jg., 74-96

Links

Frauen Aktiv