Evaluation: „Rosenstraße 76“

Evaluation: Präsentation der Ausstellung „Rosenstraße 76" für Jugendliche

Auftragsförderung: Freiburger Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt (FRIG)
Laufzeit: 03/2006 - 07/2007
Leitung: Prof. Dr. Cornelia Helfferich
Team: Elke Eneh, Eva Kunkel
Typ der Forschung: Evaluation, Methodenkombination

 

 

Fragestellung

FRIG zeigte im Rahmen einer Aktionswoche 2006 die Ausstellung „Rosenstraße 76" des Diakonischen Werks in einer speziell auf Jugendliche zugeschnittenen Form, u.a. mit der Organisation von Besuchen von Ausbildungsklassen und mit einem Be-gleitprogramm mit Ansprechpersonen nach dem Ausstellungsbesuch. Untersucht wurde die Resonanz speziell von Jugendlichen auf die Ausstellung mit Schlussfolgerungen für die Frage, wie Jugendliche für eine Auseinandersetzung mit häuslicher Gewalt gewonnen werden können.

Forschungsdesign

  • Fragebögen, die nach dem Ausstellungsbesuch von den Schülern und Schülerinnen ausgefüllt wurden (N=764)
  • Gruppendiskussionen mit Jugendlichen in unterschiedlichen Ausbildungssituationen (Gymnasium, Auszubildende) und Geschlechterzusammensetzungen (N=5)
  • Ergänzende Interviews mit beteiligten Experten und Expertinnen.

Wichtigste Ergebnisse

1. Jugendliche sind eine wichtige Zielgruppe. Sie sind zu einem hohen Anteil selbst betroffen und sie sind als Gleichaltrige für Betroffene zur Unterstützung wichtig.

2. Das Interesse an der Thematik ist bei den Jugendlichen grundsätzlich vorhanden, aber die Jugendlichen haben wenig Wissen und viele Unsicherheiten und Ängste, wie man das Thema ansprechen kann. Es ist den Jugendlichen wichtig zu erfahren, wie sie in einer akuten Situation handeln können, um sich selbst zu helfen, aber auch anderen. Die Arbeit der Polizei interessiert viele besonders.

3. Eine Ausstellung erreicht die Jugendlichen und ist eine geeignete Vermittlungsform. Es sind aber Unterschiede nach den Bildungsgruppen zu beachten:

  • Jugendliche am Gymnasium sprechen anders über häusliche Gewalt (Thema: anderen helfen), Auszubildende fragen eher vor dem Hintergrund eigener Er-fahrungen nach der Normalität und der Legitimität von Gewalt bzw. deren Grenzen.
  • Ein stark kognitiver, auf Informationen setzender Zugang spricht eher Ältere, Jugendliche mit einer längeren Schulbildung und Mädchen an. Für Jugendliche mit eingeschränkten Bildungschancen muss es auch andere Zugänge ge-ben. Das Konzept, direkte Ansprechpersonen einzubinden, hat sich bewährt.
  • Besonderes Augenmerk verdienen Jugendlichen mit eingeschränkten Bil-dungschancen: Sie sind am häufigsten mit häuslicher Gewalt konfrontiert, können aber am schwersten darüber sprechen und haben am wenigsten Zugang zu Hilfen. Diejenigen, die angaben, Fälle von häuslicher Gewalt im Umfeld zu kennen, gaben mit einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit auch an, dass es schwierig sei, darüber zu sprechen.
4. Schulen sind für die Zielgruppe gute Lernorte, sofern Experten und Expertinnen von außen in die Schule geholt werden können.

5. Die Vermittlung von Informationen und die Anregung zum Sprechen müssen sensibel geschehen. Die Tabus und Ängste sind zu berücksichtigen und ernst zu nehmen.

Publikationen

FRIG/SoFFI K (2007) (Hg.): Rosenstraße 76 - Wie Jugendliche für eine Auseinan-dersetzung mit häuslicher Gewalt gewonnen werden können. Erfahrungen mit dem Konzept einer Ausstellungspräsentation und Schlussfolgerungen für die Arbeit mit Jugendlichen zum Thema „Häusliche Gewalt". Freiburg: FRIG; Broschüre erhältlich über "Freiburger Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt": gegen-haeusliche-gewalt@t-online.de
Bericht als PDF

Eneh, Elke; Kunkel, Eva (2007): Ausstellung Rosenstraße 76 - Eine Evaluation. Jugendliche und deren Umgang mit dem Thema häusliche Gewalt. Freiburg: Diplomar-beit EFH Freiburg

Links

http://www.frig-freiburg.de/