Offenbarungsbereitschaft nach sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend

Offenbarungsbereitschaft nach sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend. Studie mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend
Kooperation der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin mit dem Sozialwissenschaftlichen FrauenForschungsInstitut Freiburg
 
Laufzeit: 03/2012 - 12/2013
Leitung: Prof. Dr. Barbara Kavemann
Team: Annemarie Graf-van Kesteren, Bianca Nagel, Sibylle Rothkegel
Typ der Forschung: Qualitative Sozialforschung  

Ziel der Studie

Es ist bekannt, dass Betroffene oft lange zögern, sich zu offenbaren. Dies kann viele unterschiedliche Gründe haben, über die es noch wenig systematische Erkenntnisse gibt. Hier sollten tiefergehende Erkenntnisse gewonnen werden: Was gibt für Betroffene von sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend – Frauen und Männer – den Ausschlag dafür, dass sie sich entscheiden, sich anderen zu offenbaren oder dies gerade nicht zu tun? Wie werden Entscheidungen für oder gegen eine Anzeige getroffen werden? Welche individuellen bzw. institutionellen Reaktionen erleben die Betroffenen?

Methoden und Forschungsdesign

Die Studie wurde als qualitative Forschung mit einer begrenzten Grundgesamtheit angelegt, die in relativ kurzer Zeit mit begrenzten Ressourcen erhoben und ausgewertet werden kann. Statt der geplanten 40 wurden letztendlich jedoch bundesweit 58 qualitative Interviews geführt, 44 mit Frauen und 14 mit Männern. Es handelt sich damit um die bislang größte uns bekannte qualitative Untersuchung zur Offenbarungsbereitschaft nach sexuellem Missbrauch in Kindheit und Jugend.
Die Interviewpartner_innen konnten über unterschiedliche Kontakte und Wege gefunden werden. Alle meldeten sich aus eigenem Interesse, es handelt sich somit um eine spezifische Stichprobe.

Für die Interviews wurde ein Leitfaden erarbeitet, ausgewertet wurde in einem offenen, reflexiven und methodisch kontrollierten Verfahren. Je nach Fragestellung der Untersuchung fanden sowohl inhaltsanalytische als auch hermeneutische Verfahren Anwendung. Das Material wurde in mehreren Durchgängen strukturiert und analysiert.

Abschluss/Publikationen

Die Untersuchung wurde im Dezember 2013 erfolgreich abgeschlossen. Eine Buchpublikation erschien 2016 im Springer-Verlag:

Kavemann, Barbara; Graf-van Kesteren, Annemarie; Rothkegel, Sibylle; Nagel, Bianca (2016): Erinnern, Schweigen und Sprechen nach sexueller Gewalt in der Kindheit. Ergebnisse einer Interviewstudie mit Frauen und Männern, die als Kind sexuelle Gewalt erlebt haben, Wiesbaden: Springer VS

Weitere Publikationen im Rahmen der Studie:

Kavemann, Barbara (2014): „Ich wollte nicht, dass die Familie zusammenbricht“ – Schweigen und Sprechen über sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend, in: Kindesmisshandlung und Vernachlässigung (DGfPI) 17. Jahrgang, Heft 2, S. 92-112

Kavemann, Barbara: Rothkegel, Sibylle (2014) Trauma Sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend. Vergessen und Erinnern – Sprechen und Schweigen, in: Trauma und Gewalt, Jahrgang 8, Heft 03, August 2014, Klett-Cotta

Kavemann, Barbara (2014): Individuelle Aufdeckung und gesellschaftliche Aufarbeitung – die zwei großen Herausforderungen bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend, in: Wildwasser Berlin (Hg.) Vom Tabu zur Schlagzeile. 30 Jahre Arbeit gegen sexuelle Gewalt – viel erreicht?! Kongressdokumentation, S. 24-39, online abrufbar unter: www.wildwasser-berlin.de/tl_files/wildwasser/Dokumente/2014/Dokumentation_30-Jahre-Wildwasser-eV-Berlin.pdf