Prävik

Prävention von Reviktimisierung bei sexuell missbrauchten Jugendlichen in Fremdunterbringung (english )
im Rahmen des BMBF-Förderprogramms „Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten"

Laufzeit: 01.08.2014 - 31.05.2017

Mädchen und junge Frauen, die sexuellen Missbrauch erleben mussten, weisen im weiteren Lebensverlauf eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit auf, erneut sexuelle Übergriffe zu erfahren und zwar auch dann, wenn es zu einem von außen herbeigeführten Milieuwechsel, beispielsweise einer stationären Unterbringung in einer Einrichtung der Jugendhilfe, kommt. Hieraus ergibt sich die Frage, welche Mechanismen diesem Phänomen zugrunde liegen, wie veränderbar diese Risikomechanismen sind bzw. welche Faktoren und Angebote schützend wirken können.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das als Kooperationsprojekt mit dem Deutschen Jugendinstitut in München angelegte, im Rahmen des BMBF-Förderprogramms „Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten" angesiedelte Forschungsvorhaben zwei Hauptziele:

  • In Gruppen stationär untergebrachter Mädchen bzw. junger Frauen mit Erfahrungen sexuellen Missbrauchs und ihren Bezugspersonen sollen innerpsychische Prozesse untersucht werden, die eine spätere erneute Viktimisierung begünstigen oder unwahrscheinlicher machen. Durch die Befragung von Jugendlichen und ihrer Bezugspersonen soll ein besseres Verständnis relevanter Schutz- und Risikoprozesse erreicht werden.
  • Es soll ein Konzept für Workshops zur Prävention von Reviktimisierung entwickelt, mit interessierten Jugendlichen und Betreuungspersonen erprobt und evaluiert werden.

Die Untersuchung ist als Kurzzeitlängsschnittstudie im Mixed-Methods-Design angelegt. Im Rahmen des Projekts werden Daten zu Gefährdungs- und Missbrauchserfahrungen sowie relevanten Risiko- und Schutzprozessen im Hinblick auf Reviktimisierung erhoben. Zudem wird ein Konzept für Präventionsworkshops, das die Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten im Hinblick auf Sexualität und positive Beziehungen sowie einen angemessenen Selbstschutz beinhaltet, entwickelt und mit interessierten Mädchen und jungen Frauen aus der Stichprobe durchgeführt.

Ausführliche Darstellung d. methodischen Vorgehens

Der Fokus des bei SoFFI durchgeführten Teilprojektes liegt dabei auf der qualitativen Erhebung von Daten zu Missbrauchs- und Gefährdungserfahrungen, Deutungen sexueller Situationen (sexuelle Skripts) und Risikoverhaltensweisen.

Kontakt: Prof. Dr. Barbara Kavemann: barbara.kavemann[at]eh-freiburg.de
              Prof. Dr. Cornelia Helfferich: helfferich[at]eh-freiburg.de

 

Publikationen

Kavemann, Barbara, Helferich, Cornelia & Nagel, Bianca. (im Druck). Re-Viktimisierung nach sexuellem Missbrauch. In A. Retkowski, A. Treibel, & E. Tuider (Hrsg.), Handbuch sexualisierte Gewalt und pädagogische  Kontexte. Theorie, Forschung, Praxis. Weinheim und Basel: BeltzJuventa.
 
Helfferich, Cornelia; Kavemann, Barbara; Kindler, Heinz; Nagel, Bianca; Schürmann-Ebenfeld, Silvia (im Druck) Reviktimisierung nach sexuellem Missbrauch in einer Hochrisikogruppe – Ergebnisse einer Mixed Methods Studie bei Mädchen und jungen Frauen in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe. In: Dekker, A.; Henningsen, A.; Retkowski, A.; Voß, H.-J.; Wazlawik, M. (Hrsg.): Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten. Aktuelle Forschungen und Reflexionen. Wiesbaden: Springer VS.
 
Helfferich, Cornelia; Kavemann, Barbara; Kindler, Heinz; Nagel, Bianca; Schürmann-Ebenfeld, Silvia (im Druck) Stigma macht vulnerabel, gute Beziehungen schützen. Sexueller Missbrauch in den Entwicklungsverläufen von jugendlichen Mädchen in der stationären Jugendhilfe. In: Diskurs 3-2017, DJI, München
 
Kavemann, Barbara; Helfferich, Cornelia; Nagel, Bianca; Kindler, Heinz (eingereicht) Re-Victimization of adolescent girls in institutional care with a history of sexual violence in childhood – empirical results and conclusions for prevention. Journal of Gender based Violence, Policy Press, Bristol

 

Konzept:Sexualpädagogischer Workshop für jugendliche Mädchen nach sexuellem Missbrauch 

Sexualpädagogik oder Gewaltprävention? - Sexualität vor dem Hintergrund sexueller Gewalterlebnisse Forum Gemeindepsychologie, Heft 1.2016 

Helfferich, C.; Kavemann, B. (2016). Kein Sex im Kinderheim. Prävention sexueller Gewalt in der stationären Jugendhilfe. In: Sozialmagazin, 41, (7-8), 52-60.


Helfferich, C.; Kavemann, B.; Kindler, H.; Nagel, B.; Schürmann-Ebenfeld, S. (in Vorbereitung). Reviktimisierung nach sexuellem Missbrauch in einer Hochrisikogruppe. Ergebnisse einer Mixed-Methods Studie bei Mädchen und jungen Frauen in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe. In: Dekker, A.; Henningsen, A.; Retkowski, A.; Voß, H.-J.; Wazlawik, M. (Hrsg.): Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten. Aktuelle Forschungen und Reflexionen. Wiesbaden: Springer VS.


Kavemann B.; Helfferich, C.; Nagel, B. (2016). Subjektive Theorien von jugendlichen Mädchen über Re-Viktimisierung nach sexuellem Missbrauch. Eine Untersuchung mit Mädchen in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe. In: Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Interdisziplinäre Fachzeitschrift für Prävention und Intervention 19 (2), 124-149.