Ausstieg aus der Prostitution

wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts "Unterstützung des Ausstiegs aus der Prostitution"*

Auftragsförderung: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Laufzeit: 11/2011 - 05/2015
Leitung:

Projektleitung für SoFFI: Prof. Dr. Cornelia Helfferich, Prof. Dr. Barbara Kavemann
Projektleitung am SPI: Elfriede Steffan

Team: Yvonne Heine
Typ der Forschung: Methodenmix: qualitative/quantitative Forschungsinstrumente

*Kooperation
Sozialpädagogisches Institut Berlin (SPI)
http://www.spi-research.eu


Das Sozialwissenschaftliche FrauenForschungsInstitut Freiburg (SoFFI F.) an der Evangelischen Hochschule Freiburg, das bereits das Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten (ProstG) evaluiert hatte, führt in Kooperation mit dem Sozialpädagogischen Institut Berlin (SPI) eine prozessbegleitende, partizipative Evaluation des Modellprojektes „Unterstützung des Ausstieges aus der Prostitution" im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) durch. Die Evaluation der Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes (ProstG) hatte einen erheblichen Bedarf an zielgruppenspezifischen und nachhaltigen Angeboten und Fördermöglichkeiten zur Unterstützung des Ausstiegs aus der Prostitution aufgezeigt. Nun werden über einen Zeitraum von drei Jahren drei Bundesmodellprojekte in Freiburg, Nürnberg und Berlin vom BMFSFJ gefördert und wissenschaftlich begleitet. Sie sollen nachhaltige und zielgruppengerechte Ausstiegsmöglichkeiten für in der Prostitution tätige Frauen schaffen. Darüber hinaus werden Faktoren, die zum Gelingen eines Ausstieges aus der Prostitution beitragen, identifiziert. In Freiburg und Kehl bietet P.I.N.K. (Prostitution, Integration, Neustart und Know-how) in der Trägerschaft der Diakonie in Südbaden solche Ausstiegshilfen an. In Nürnberg wird die Ausstiegsberatung durch OPERA (Orientieren Probieren ERfahren Ausbilden) und in Berlin durch DIWA (Der individuelle Weg zur Alternative) realisiert.

Ausgangslage

Die Evaluation des ProstG sah Schwierigkeiten vor allem darin, dass für das Gelingen eines Ausstiegs zunächst vielfältige Problemlagen (wie gesundheitliche Belastungen, Burn-out, anhaltende Verschuldung, schwaches Selbstwertgefühl, soziale Stigmatisierung, rechtlich ungeklärter Status) überwunden werden müssen. Weiterhin sind Arbeitsmarktinstrumente sowie Fördermöglichkeiten zur Integration in den regulären Arbeitsmarkt aufgrund der vielfältigen Belastungen nicht zielgruppengerecht gestaltet oder die nötigen Anspruchsvoraussetzungen fehlen noch immer häufig. Das Modellprojekt setzt deshalb auf ein zielgruppengerechtes, auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmerinnen abgestimmtes Beratungssetting. Ergänzt wird das Angebot durch entsprechende, auf die Vermittlung in reguläre Beschäftigungsverhältnisse ausgerichtete Begleitmaßnahmen wie Coachings und Qualifizierungsmaßnahmen. Es wurden drei Standorte (Berlin, Nürnberg, Freiburg) mit regionalen Besonderheiten ausgewählt, um die Wirksamkeit verschiedener möglicher Ansätze zu eruieren. Diese Standorte mit ihrer je unterschiedlichen Herangehensweise werden von SoFFi F. und SPI in ihrer Arbeit wissenschaftlich begleitet und prozessorientiert evaluiert.

Forschungsvorhaben

SoFFI F. und SPI unterstützen die Projekte bei der Gewinnung wichtiger Akteure und dem Aufbau eines tragfähigen Netzwerkes sowie der Vernetzung untereinander. Es werden sowohl die Eignung von Begleitmaßnahmen als auch die Anforderungen an und die Flexibilität von Arbeitsmarktinstrumenten und Fördermaßnahmen untersucht. Des Weiteren geht es darum, einen geeigneten Zugang zur Zielgruppe zu bestimmen, Wege in reguläre, individuell passende Beschäftigungsverhältnisse nachzuzeichnen, und dabei Hindernisse und deren Überwindung zu identifizieren.
Die gesammelten Erkenntnisse sollen der interessierten Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Hierzu werden Praxisleitfäden für Projektträger, die Angebote für Prostituierte neu aufbauen wollen und für Facheinrichtungen, die bereits mit der Zielgruppe Prostituierte arbeiten und Ausstiegshilfen in ihr Angebotsspektrum integrieren wollen, erarbeitet.
Es werden sowohl qualitative als auch quantitative Forschungsinstrumente verwendet. Durch die langfristige Anlage des Projekts können im Rahmen einer Längsschnitterhebung Ausstiegsverläufe systematisch erhoben und auf ihre Nachhaltigkeit hin analysiert werden.

Besonderheiten in Freiburg

In Freiburg wurde die Beratungsstelle P.I.N.K. für das Modellprojekt neu aufgebaut - vorher gab es kein unterstützendes Angebot für in der Prostitution Tätige in Freiburg und auch keine ausgeprägten Selbsthilfestrukturen wie in Berlin. Hier wird es deshalb vor allem relevant sein, die regionalen Strukturen zu erfassen und ein passendes Angebot zu gestalten. Zudem wird ein umfassendes Netzwerk mit regional bedeutsamen PartnerInnen für die Integration in den regulären Arbeitsmarkt - insbesondere mit dem Jobcenter - aufgebaut werden.

Links

DIWA Berlin: http://www.diwa-berlin.de/
OPERA Nürnberg: http://kassandra-nbg.de/opera
PINK Freiburg und Kehl: http://www.pink-baden.de  

Kontakt

SoFFI
Cornelia Helfferich: helfferich(at)eh-freiburg.de
Barbara Kavemann: barbara.kavemann[at]eh-freiburg.de

SPI
Elfriede Steffan: e.steffan(at)spi-research.de